Nacht der Trommel

Es ist 20.06 Uhr, als das Licht im ausverkauften großen Staufersaal des Wieslocher Palatins mit einem tiefen Gongschlag erlischt am vergangenen Freitag und die ersten Trommelschläge zu hören sind. „Die Nacht der Trommel“ beginnt. Sie ist dasSwingin‘ WiWa“-Event, schon lange ausführlich beworben, der Auftakt zur letzten Woche der erfolgreichen Veranstaltungsreihe, „ein visuelles und akustisches Theater-Erlebnis der Extraklasse“, so das Versprechen der Veranstalter.

Acht Musiker stehen da nun auf der Bühne hinter ihren im Halbkreis aufgebauten Schlagwerken: Carlos Serrano del Rio, Danjel Kozar, David Anlauff, Ellen Mayer, Johannes Willinger, Jochen Rautenstrauch, Nelly Nelliste und Patrick Metzger sind allesamt erfahrene Schlagwerker, die viel Herzblut mitbringen und schon im letzten Jahr in dieser Formation die Nacht bestritten haben. Und sie tun, was sie versprochen haben: sie trommeln. Das klingt erstmal profan, aber man darf sich das nicht so vorstellen, als säßen da ein paar Leute im Proberaum und klöppelten gemeinsam ein bisschen vor sich hin. Ein Schlagzeug wirklich zu beherrschen ist hohe Kunst, sie kann einen Sound entstehen lassen, der sprachlos macht. Überhaupt, der Auftritt ist eine Hommage an den Rhythmus; wer schon mal erlebt hat, wie sich das Duo Chester Thompson/Phil Collins, um mal zwei der vermutlich bekanntesten Drummer zu nennen, gegenseitig an seinen Instrumenten hochschaukelt, kann sich vielleicht eine Vorstellung davon machen, wie so etwas in achtfacher Ausführung klingt und, mit entsprechender Lichtshow in Szene gesetzt, wirkt. Übrigens lässt sich Rhythmus mit allem möglichen erzeugen, man ist überrascht, wie vielen alltäglichen Gegenständen man Töne entlocken kann. Hier und da kommen dann auch mal andere Instrumente zum Einsatz, meistens solche, die man sonst eher nicht zu hören bekommt. Mal ehrlich, wer wüsste schon auswendig zu sagen, wie ein brasilianisches Berimbao klingt? Die Antwort: ausgesprochen gut.

Es ist eine solide, mitreißende Vorstellung, die da geboten wird, die Musiker, eigentlich allesamt in anderen Bands aktiv, haben spürbar Spaß an diesem Projekt. Fast ein ganzes Jahr lang lief die Vorbereitung, beinahe dreißig Proben haben sie in dieser Zeit absolviert. Was herausgekommen ist, ist musikalisch einwandfrei. Einerseits.

Was dem Abend andererseits so ein bisschen fehlt, ist die durchgängige Inszenierung, der rote Faden. Zwischen den einzelnen Showelementen vermisst man etwas die Übergänge, alles wirkt sehr gestückelt. Wo die Bindung versucht wird, entstehen oft eher ungewollt komische Slapstickeinlagen, die die Akteure während der Proben als spaßig empfunden haben mögen, für die Zuschauer aber schlecht nachvollziehbar bleiben.

Insgesamt aber steht selbstverständlich die Musik bei der Bewertung im Vordergrund. Die ist absolut professionell und gut und wird am Ende völlig zurecht mit Standing Ovations für die sichtlich zufriedenen Musiker belohnt, die sich noch mit einer kleinen Zugabe bedanken, bevor es draußen im Foyer ein gemeinsames Gläschen Premierensekt gibt. Den Besuchern hat dieser Abend fraglos gefallen.

Und auch die Organisatoren des Kulturfördervereins Kurpfalz zeigen sich begeistert ob der guten Publikumsresonanz, immerhin haben über 600 Zuschauer den Auftritt verfolgt, und sie lassen sogar durchblicken – das ist jetzt tatsächlich eine Neuigkeit, die es unbedingt zu melden gilt –, diese „klasse Veranstaltung“ in naher Zukunft auch auf Deutschlandtournee schicken zu wollen. Ja, es war eine klasse Veranstaltung, ein toller Abend, ganz sicher werden die Musiker auch anderswo begeistern, gar keine Zweifel. Allerdings, und diese Anregung muss dann doch erlaubt sein, sollte man sich fragen, ob eine ausgiebigere, genauere Inszenierung der Show unter erfahrener Regie nicht geboten wäre, würde man sich doch mit steigendem Bekanntheitsgrad zwangsläufig auch mit ähnlichen Drum-Acts verglichen sehen – und dazu ist die Show als Ganzes trotz positiven Fazits ehrlich gesagt einfach noch nicht reif genug, wenngleich das Potenzial ohne Frage vorhanden ist.

In unveränderter Fassung erschienen am 21. April 2011 unter dem Titel „Eine Hommage an den Rhythmus“ in der Rhein-Neckar-Zeitung (Regionalausgabe Wiesloch/Walldorf, S. 5).

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