Seine k.u.k. Hoheit*

Rechtzeitig zur anstehenden royalen Märchenhochzeit im englischen Königshaus werden wieder jede Menge Umfragen gestartet um herauszufinden, wie man hierzulande eigentlich zur Monarchie steht. Und siehe da, trotz der auch bei uns medial ziemlich ausgeschlachteten Windsor-Vermählung scheinen die Deutschen gar nicht so wirklich erpicht darauf, einen König an ihrer Spitze zu sehen.

In einer repräsentativen Umfrage von TNS Emnid für den „Focus“ gaben kürzlich gerade mal 9% der Befragten an,  sich „einen König oder eine Königin ähnlich wie in Großbritannien“ zu wünschen.  Und im Gegenzug verneinten sogar 81% eine Vorbildfunktion des Adels. Denkbar ungünstige Voraussetzungen also, sollte sich tatsächlich jemand Hoffnung auf den Thron gemacht haben,  dann sieht’s eher schlecht aus, sorry. Aber: Wer dürfte sich denn überhaupt Hoffnung machen? Wer wäre eigentlich heute Kaiser von Deutschland?

Der letzte Deutsche Kaiser, Wilhelm II., war König von Preußen und stammte aus dem (ursprünglich übrigens im Schwäbischen beheimateten) Hause Hohenzollern. Insgesamt war er der dritte Deutsche Kaiser, seit sein Großvater Wilhelm I. nach dem Zusammenschluss der süddeutschen Staaten mit dem Norddeutschen Bund und der damit verbundenen Gründung des Deutsches Reiches 1871 den Posten als erster übernommen hatte. Es folgte dessen Sohn, der als Friedrich III. allerdings nach nur 99 Tagen im Amt einem Krebsleiden erlag .

1871 nun hatten sich insgesamt 22 Fürstenhäuser zum Deutschen Reich zusammengeschlossen, aber nur vier von ihnen hatten zuvor schon einmal einen Regenten mit Königstitel gestellt, neben den Königen von Preußen nämlich auch die Könige von Bayern, die Könige von Sachsen und die Könige von Württemberg. Alle anderen Herrscher hatten es „nur“ zu (Groß-)Fürsten gebracht. Der neue Deutsche Kaiser sollte dem Einvernehmen nach also aus einem dieser vier Königshäuser kommen, und weil man sich denken konnte, dass eine „Wahl“ schwierig werden würde, bekam mit Preußen der politisch mächtigste Staat im Reich den Job (ums mal stark vereinfacht darzustellen).

Allzu lange allerdings dauerte die Geschichte dieses Deutschen Reiches dann nicht an, unter dem Druck des verlorenen Ersten Weltkriegs sah sich Wilhelm 1918 dazu gezwungen, auf sein Amt zu verzichten und wurde ins niederländische Exil geschickt, wo er 1941 starb. Damit endete die Monarchie in Deutschland, in keiner der sich anschließenden Staatsformen wurde die Idee nochmal aufgegriffen. Oder wenigstens nicht ernsthaft.

Abdankungsurkunde Kaiser Wilhelms II.

Ich bin zwar kein Jurist, aber man darf wohl guten Gewissens davon ausgehen, dass eine rechtlich verbindliche Regelung ob der Thronfolge aus nahliegenden Gründen heute schlicht und ergreifend nicht existiert. Wir können also nur die Vermutung anstellen, dass ein heutiger Herrscher immer noch aus einem besagter vier Königshäuser käme, sehr wahrscheinlich wäre es noch immer ein Mann   aus dem Hause Hohenzollern (Königinnen waren in der preußischen Erbfolge nicht vorgesehen). Entsprechend haben wir dann jetzt auch unseren strahlenden Sieger, den wahrscheinlichsten Kandidaten für einen Deutschen Königs-, je nach Regelung möglicherweise sogar Kaiserthron: Georg Friedrich Prinz von Preußen, Jahrgang 1976, Ururenkel Wilhelms II.; zwar nicht Kaiser, dafür aber, wegen des frühen Todes seines Vaters, immerhin seit 1994 offiziell Oberhaupt des Hauses Hohenzollern. Damit übrigens hätte er schon als 18jähriger den Thron bestiegen – da wäre der ewige Kronprinz  Charles  in London sicher neidisch gewesen…

lizenzfrei

Georg Friedrich Prinz von Preußen (2007)

*Eine kurze erläuternde Anmerkung vielleicht noch zum Titel dieses Beitrags: Die Abkürzung „k.u.k.“ steht für „kaiserlich und königlich“ und wurde in dieser Form in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert von den Habsburger Monarchen Österreich-Ungarns gebraucht. Im Deutschen Kaiserreich war sie zwar offiziell nicht gebräuchlich, für meine Überschrift fand ich sie trotzdem irgendwie passend.

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3 Antworten zu “Seine k.u.k. Hoheit*

  1. Kleiner Nachtrag noch, der vielleicht ganz gut verdeutlicht, welche Auswüchse diese Monarchenverehrung annehmen kann: In Teilen der Pazifikinsel Vanuatu wird Prinz Philip, Gemahl Queen Elizabeths, tatsächlich als eine Art Gottheit verehrt!

  2. Tatsächlich schwierig, ja. Und würde man nach dieser Hochzeit eine Umfrage zum Thema Berufswunsch unter englischen Mädchen zwischen 6 und 13 durchführen, wage ich mal zu behaupten, das Ergebnis vorhersagen zu können.

    Das Ganze hat halt einfach so unfassbar wenig mit Realität zu tun, man darf eigentlich gar nicht so genau drüber nachdenken…

  3. Interressanter post! Was mich an dem Hochzeitsspektakel stört, es weckt doch völlig falsche Erwartungen und Haltungen bezüglich einer Hochzeit. Wie soll man einem Mädchen, dass das gesehen hat, erklären, dass es nicht von einer goldenen Kutsche mit zwei Dutzend Schimmeln abgeholt wird, sondern von ‘nem Vectra Kombi?

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