Ausgegringst

Preisfrage: Was ist das? Die Armen haben’s, die Zufriedenen brauchen’s, und wenn man zu lange davon isst, stirbt man. Bevor jetzt die endlose Grübelei losgeht, verrate ich’s lieber. Die Antwort lautet: nichts.

Und ungefähr so viel, nämlich garnichts, dürfen auch unsere Fußballsommermärchenmädels mit nach Hause nehmen. Bitte? Jaja, es war gerade Sommermärchen. Nicht mitbekommen? War aber vom DFB höchstinstanzlich verordnet, hätte man wissen müssen.

Na gut, für alle, die die letzten zwei Wochen hinterm Mond gelebt haben, fass‘ ich mal schnell zusammen, allzu viel gibt’s sowieso nicht zu erzählen: Das Sommermärchen bestand aus vier  durchschnittlich bis mäßigen Spielen der Frauenfußballnationalmannschaft während der gerade laufenden Weltmeisterschaft, von denen die drei unwichtigeren allesamt gewonnen wurden, das entscheidende dagegen ziemlich ins Höschen ging. Das kann natürlich mal vorkommen, war aber insofern suboptimal, weil man damit im Viertelfinale ausschied, obwohl man den Titel quasi schon so gut wie sicher zu haben glaubte:

Ja, und Sommermärchen hieß das Ganze, weil…weil…ach, ich weiß es eigentlich auch nicht so genau.

Wie dem auch sei, in besagtem Viertelfinale jedenfalls spielten die deutschen gegen die japanischen Fußballerinnen (kein Scherz, gibt’s wirklich!), der Titel musste her und schwupps, kommen da diese dahergelaufenen Fußballzwerginnen und machen alles kaputt. Dabei hätten die eigentlich (Achtung Kalauer!) ja panische Angst haben müssen vor dem übermächtig erscheinenden Doppelweltmeister. Tschuldigung, der Doppelweltmeisterin, versteht sich.

„Unser Spiel soll den Menschen in den Katastrophengebieten Mut machen“, hatte Trainer Norio Sasaki nach dem Spiel verkündet. So gesehen ist der Sieg Japans natürlich nur fair, nachher wären die da drüben noch völlig im Elend versunken. Mal ehrlich, das hätten wir doch nicht ernsthaft verantworten wollen, oder?

Also ins Halbfinale eingezogen und nebenbei gleich noch die Heimat gerettet.  Toll, oder? Was Teufelskerlinnen. Da hatten sie gut grinsen, die Japanerinnen. Obwohl, der gemeine Japaner sieht ja immer irgendwie aus, als würde er grinsen. Ganz im Gegensatz zu Birgit Prinz übrigens (das ist eine von uns), die gringste grinste irgendwann nicht mehr, hatte dafür aber einen guten Blick aufs Spielgeschehen von ihrem kuscheligen Plätzchen auf der Bank. Dahin nämlich hatte sie Bundestrainerin Silvia Neid* verbannt. Weltfußballerin hin oder her, schlechte Leistung wird eben bestraft. Aus Prinzip, sozusagen. Recht so. Nur gebracht hat’s am Ende – richtig! – nichts.

Die japanische Frauschaft zeigte die besseren Torjägerqualitätinnen und schickte die Gastgeberinnen mit 0:1 nach Verlängerung nach Hause. (Übrigens eine Redewendung, die in diesem speziellen Fall nicht einer gewissen Ironie entbehrt, denn – fast hätte ich’s vergessen – die WM findet, auch wenn’s fast keiner gemerkt hat, tatsächlich hier bei uns in Deutschland statt.) Die deutschen Spielerinnen jedenfalls waren nach dem verlorenen Spiel zerrissen, die einen seelisch, die anderen im Kreuzbandbereich oder beides. Gut, das kann man natürlich verstehen, uns ging’s ja auch schlecht nach dem Abpfiff – und eigentlich auch beim Zuschauen schon. Wenigstens hatte die Schiedsrichterin ’nen netten Hintern…

Und für uns stellt sich die schwierige Frage, welcher Mannschaft wir nach unserem Ausscheiden (ja, ganz wichtig: unser aller Ausscheiden!) nun eigentlich die Daumen drücken sollen. Ich plädiere ja dafür, das Team mit den hehrsten Zielen zu unterstützen. Da haben die Japanerinnen jetzt natürlich schonmal ganz gut vorgelegt mit ihren Katastrophengebieten. Sollte schwierig für die anderen werden, da gleichzuziehen. Okay, das Ziel der US-Girls ist klar: Bei Amerikanern ist ja eigentlich völlig egal, was sie tun, sie tun es immer irgendwie für ihr Land. Und das steht immerhin auch gerade vor dem drohenden Staatsbankrott, also auch gar nicht so übel. Aber die Französinnen? Oder die Vorzeigesystemlerinnen aus Schweden? Ganz schlechte Karten, würd‘ ich mal behaupten.

Nur bloß nicht zu laut für irgendwen jubeln, wir wollen ja gute Gastgeber sein. Sonst beginnen die Gäste am Ende ihre ganz eigene Neid-Debatte**.

  *Die ‚Neid‘-Kalauer schenke ich mir an dieser Stelle.

**Aber nicht an dieser.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s