Evolutionshelfer

Kurzer Allgemeinbildungstest: Was haben Saul Perlmutter, Adam Riess, Brian Schmidt, Bruce Beutler, Jules Hoffmann und Ralph Steinmann gemeinsam?

Wie, nie gehört?

Okay, ganz ehrlich, so wirklich verwunderlich ist das nicht, in der Regel sind solche Namen nur einem engeren Kreis an Fachleuten bekannt. Trotz allem dürfen sie sich einer nicht ganz unbeachtlichen Auszeichnung rühmen, denn alle sechs sind tatsächlich frischgebackene Nobelpreisträger; die drei Erstgenannten nämlich im Bereich Physik, letztere drei teilen sich den Preis dieses Jahr in der Kategorie Medizin.

Nun ist das mit den Nobelpreisen immer so eine Sache. Klingt natürlich ganz toll, ringt einem irgendwie Respekt ab – nur im Detail verstehen, wofür die Damen und (überwiegend) Herren jetzt eigentlich genau ausgezeichnet werden, tut eigentlich niemand wirklich. Mal ehrlich, wer kann sich unter „spontaner Symmetriebrechung in der Elementarteilchenphysik“ (ausgezeichnet 2008) oder „grundlegenden Experimenten mit dem zweidimensionalen Material Graphen“ (2010) schon ernsthaft was vorstellen. Alles ein bisschen sperrig, nichts, was man sich jetzt spontan als Thema für die nächste Diplomarbeit aussuchen würde. Gerade Forschungsarbeiten, die einen Physik- oder Chemienobelpreis zum Ergebnis haben, sind in der Regel für den Laien zuhause nur bedingt nachvollzieh-, geschweige denn nachrechenbar. Möglicherweise gehört aber auch gerade das so ein bisschen zur Faszination dazu.

Normalerweise sind Nobelpreisträger, davon können wir ausgehen, also blitzgescheit auf ihrem Gebiet (auch wenn Neider hier gerne mal von Fachidiotie sprechen), und sie dürfen zu Recht stolz auf den Preis sein. Gut, einzige Ausnahme bildet da in diesem Jahr vielleicht Ralph Steinmann. Bei dem dürfte sich der Stolz in Grenzen halten, weil er nämlich unglücklicherweise drei Tage vor der Bekanntgabe überraschend verstorben ist. Hatten die in Schweden noch nicht mitbekommen, ist denen wahrscheinlich auch ziemlich unangenehm, um nicht zu sagen peinlich. Verleihen möchte man ihm den Preis jetzt ausnahmsweise posthum, was sonst laut Statuten eigentlich nicht gestattet ist. Manchmal muss man ob eigener Missgeschicke eben flexibel sein.

Aber apropos tot, in diesem Zusammenhang fiel mir ein völlig anderer Preis ein, von dem ich lange nichts mehr gehört hatte. Nicht ganz so traditionsreich, dafür aber auch für den Laien ziemlich gut verständlich; ein Preis, konzipiert sozusagen als genaues Gegenstück zum Nobelpreis, obwohl der Grundgedanke genau betrachtet recht ähnlich ist. Wie in Schweden werden auch hier diejenigen ausgezeichnet, die „der Menschheit den größten Nutzen geleistet haben“ (so nämlich wünschte es sich Alfred Nobel in seinem Testament), nur erbringen die Preisträger diesen Nutzen nicht durch harte Arbeit für die Menschheit – sondern durch ihr Ausscheiden aus selbiger.

Gemeint sind die „Darwin Awards“, benannt nach Charles Darwin, dem berühmten britischen Naturforscher.

Nun, worum geht’s? Grundgedanke der Preisvergabe ist Darwins Theorie der natürlichen Selektion. Kurz gesagt: erfolgreichere Merkmale versprechen höheren Fortpflanzungserfolg und verbessern so den Genpool. Weniger erfolgreiche dagegen sterben aus – und genau die gilt es zu ehren. Und denjenigen Menschen, die ihre eigene Unfähigkeit dadurch demonstrieren, dass sie sich versehentlich selbst aus besagtem Genpool entfernen, denen gebührt diese kleine, durchaus sarkastisch gemeinte Negativ-Auszeichnung. Weil sie der Menschheit einen Gefallen tun. Oder um es mit den Machern der Darwin Awards zu sagen:

„Wir erweisen der Hypothese von Charles Darwin die Ehre, indem wir jährlich Darwin Awards an die (Reste von) Individuen verleihen, die alles in dem Versuch gegeben haben, unseren Genpool zu verbessern. Wir applaudieren jenen, die das ultimative Opfer erbracht haben, indem sie sich selbst in der aussergewöhnlichsten und dümmsten Art und Weise töteten.“ *

Ein Ziel, wie es Nobel nicht schöner hätte formulieren können: Menschen ehren, die der Menschheit helfen. Obwohl, einen kleinen Unterschied gibt es dann doch: Im Gegensatz zu den Nobelpreisen werden die Darwin Awards in der Regel grundsätzlich posthum verliehen. Obwohl „verliehen“ hier vielleicht nicht so ganz das passende Wort ist.

Ja, und seltsamerweise soll auch die Zahl der Neider deutlich geringer sein – dafür findet die Idiotie hier definitiv ihren Platz.

*Eine offizielle deutschsprachige Abteilung der Darwin Awards wurde leider nur bis ins Jahr 2000 gepflegt. Zwar gibt es inzwischen deutschsprachige Ableger (z. B. hier), die aber haben mit den ursprünglichen Initiatoren nichts zu tun.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s