Es grünt so grün…

…wenn Spaniens Blüten blühn – und natürlich, wenn die Deutsche Fußballnationalmannschaft ab kommendem Wochenende ins Europameisterschaftsgeschehen eingreift. Zum ersten Mal nach zwölf Jahren Pause nämlich tragen die Jungs wieder herrlich grasgrüne Trikots. (Ja, genau die, die früher schon immer so schön in den Augen gebrannt haben.) Also, manchmal jedenfalls tragen sie sie. Offiziell nennt sich das Teil „Auswärtstrikot“. Das ist insofern ein bisschen irreführend, weil das Turnier abgesehen von den beiden Gastgebern Polen/Ukraine für alle Teilnehmer ja nun logischerweise vollständig auswärts stattfindet. Auswärts– heißt in diesem Fall eher so viel wie Ausweich-. Ist im Vorfeld intensivst beworben und vermarktet worden und wird im ersten Spiel am Samstag gegen Portugal dann auch ziemlich sicher gleich mal nicht zum Einsatz kommen. Schuld daran sind die Portugiesen, die ihrerseits nämlich traditionell selbst, wenn auch keine grellgrünen Trikots, dann aber doch immerhin welche mit relativ hohem Grünanteil tragen.

Aber warum denn überhaupt grün? Was hat denn Deutschland mit der Farbe Grün am Hut? Es hält sich hartnäckig die Legende, das erste Nachkriegsspiel habe seinerzeit gegen Irland stattgefunden und in Anlehnung daran habe man sich für das ja tatsächlich irgendwie sehr irisch wirkende Grün entschieden. Das klingt so kitschig-süß, dass man es am liebsten glauben möchte, ist aber Quatsch; das erste Nachkriegspiel nämlich fand 1950 in Stuttgart gegen die Schweiz statt – und ich für meinen Teil hab noch keinen Schweizer im grünen Jersey ‚rumlaufen sehen.

Nein, die korrekte Erklärung ist eine ganz andere: Zur WM 1954, bei der die grünen Trikots erstmals zum Einsatz kamen, brauchte man zu allererst einmal eine „echte“ Alternative zum Weiß, soll heißen: etwas Dunkles für den Fall, dass die gegnerische Mannschaft ebenfalls Weiß trägt. Aber warum dunkel und nicht etwa gelb? Oder blasslila? Weiß gegen gelb wäre doch kein Problem, oder? Jahaa, heute vielleicht nicht. Damals aber sehr wohl – weil die Mannschaften sonst in Ermangelung des Farbfernsehens, das wir heute selbstverständlich haben, nämlich am Bildschirm nicht zu unterscheiden gewesen wären. Und dann brauchte man zweitens natürlich eine Farbe, die irgendetwas mit dem deutschen Fußball zu tun hatte. Und man entschied sich einfach deshalb für grün, weil das seit 1945 die einheitliche Farbe des DFB und seines Logos ist. Vielleicht ein bisschen weniger romantisch als die Irland-Geschichte, aber so war das.*

Eine kleine Besonderheit übrigens haben die neuen Leibchen noch: In Anspielung auf den ersten EM-Titel von 1972 steht im Nackenbereich ein kleines Sprüchlein geschrieben: „1972 – Der Beginn einer Erfolgsgeschichte, 2012 – Ein neues Kapitel wartet darauf, geschrieben zu werden“. Womit wir dann doch wieder beim Kitsch wären. Naja, man darf gespannt sein…

*Ein Dankeschön an dieser Stelle an Carola Dobs von der Universitätsbibliothek Frankfurt a. M. für die prompte Recherchehilfe in Sachen grünes Trikot!

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