Singen für den Titel

Erstes Ritual vor jedem Spiel: Die Nationalhymne. Aufwärmbilder und Vorberichtsanalysegeschwätz sind vorbei, damit geht’s los. Beim Public Viewing stehen sie dann alle auf, legen die Hand aufs Herz und singen lauthals mit. Nur die Nationalspieler sind da nicht so richtig mit dabei. Gut, ein paar bewegen sichtbar gestellt den Mund, aber sonst. Jogi Löw hat übrigens entschieden, seine Spieler seien nicht verpflichtet, die Hymne mitzusingen. Hat er wirklich, wurde er auf irgendeiner Pressekonferenz gefragt. Eigentlich ist es schlimm genug, dass sich der Nationaltrainer und sein Team überhaupt über solche Banalitäten Gedanken machen müssen, aber es ist offenbar nötig.

Denn es gibt immer wieder Menschen, die das offenbar sehr zu stören scheint. Wenn ich beim Public Viewing bin, gibt es mit schöner Regelmäßigkeit mindestens einen auf irgendeiner Nachbarbank, der sich einen entsprechenden Kommentargröhler nicht verkneifen kann. Ich finde das immer ein bisschen befremdlich, denn ich für meinen Teil singe auch nicht. Nicht aus Prinzip, sondern einfach, weil ich meinen Nachbarn mein Gekrächze nicht zwingend antun möchte. Reine Nächstenliebe. Und ich vermute, den Spielern auf dem Platz geht’s nicht anders, die singen eben einfach nicht gern. Müssen sie auch nicht, die werden schließlich fürs Spielen bezahlt und sollen sich gefälligst auch darauf konzentrieren. Man stelle sich vor, da vergisst einer den Text und überlegt dann noch stundenlang in der Gegend ‚rum. (Geht mir zumindest regelmäßig so mit Liedtexten.) Und bis er ihm dann wieder einfällt, hat ihn der erste Angreifer schon stehen lassen. Will ja auch keiner.

Aber apropos Public Viewing, irgendein Unverbesserlicher sitzt auch immer mit drin, der provokativ grinsend mit erhobenem Bierglas statt der dritten die erste Strophe des Deutschlandliedes singt. Das ist zwar nicht verboten (obwohl das landläufig immer noch viele zu glauben scheinen), sondern schlicht einfach nicht mehr zeitgemäß, trotzdem fühlen sich da einige wie die kleinen Kinder beim Süßigkeitenklau. Obwohl die Textzeile „von der Maas bis an die Memel“ gerade morgen gegen die Holländer natürlich was Verlockendes hat, ich kann’s irgendwo verstehen. Andererseits bin ich mir ziemlich sicher, dass die genannten Sänger sich dieses Umstandes so nicht bewusst sind…

Also nochmal zum Mitschreiben und Auswendiglernen. Der Text der offiziellen Deutschen Nationalhymne lautet:

Einigkeit und Recht und Freiheit
für das deutsche Vaterland!
Danach lasst uns alle streben
brüderlich mit Herz und Hand!
Einigkeit und Recht und Freiheit
sind des Glückes Unterpfand:

|: Blüh im Glanze dieses Glückes,
blühe, deutsches Vaterland! 😐

Ganz wichtig dabei: „Blüh im Glanze“! Nicht etwa „Brüh im Lichte„! Der Text übrigens stammt von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben und hat schon ein paar Jährchen auf dem Buckel, von 1841 nämlich ist er; die Melodie der Hymne allerdings hatte damit ursprünglich wiederum gar nichts zu tun, die stammt nämlich von Joseph Haydn, ist noch ein paar Jahre älter (1796/97) und war eigentlich die Hymne der österreichischen Kaiser (für alle, die sich beim Sissi-Gucken immer gewundert haben, warum die da ständig die „deutsche“ Hymne im Hintergrund  spielen).

Und nein, niemand muss sie singen, wenn er nicht will. Aber jeder, der möchte, darf es selbstverständlich. Das ist doch das Schöne.

[Nationalhymne beim Festakt zur Deutschen Einheit 2011]
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