Das Kreuz mit kreuz.net

Auweia, jetzt haben sie’s wieder geschafft. Nach diversen Erwähnungen in der Tagespresse hat „kreuz.net – katholische nachrichten“ mal wieder Konjunktur.

Ich bin vor ein paar Jahren schon mal über die Seite gestolpert, hatte sie zwischenzeitlich aber wieder verdrängt (und ‚verdrängt‘ trifft’s in diesem Fall tatsächlich recht gut). Nach Berichten in allen möglichen Zeitungen und Magazinen tauchte sie jetzt wieder aus der Versenkung auf und erfreut sich derzeit einer Publicity, die sie eigentlich in keinstem Maße verdient hat. Im Gegenteil.

Um ehrlich zu sein, ich verstehe gar nicht, warum man überhaupt über sie schreibt (nein, auch nicht so recht, warum ich das jetzt tue). Die Seite war immer und ist immer noch eine Ansammlung kruder Beschimpfungen, antisemitischer, panisch homophober Hetzereien und fast schon grotesker Verschwörungstheorien, die in den Augen der Autoren die Ausrottung eines rechtgläubigen Christentums zum Ziel haben. Sodom und Gomorrah, der Untergang des Abendlandes überall.

Beispiel gefällig? Diese Kurzmeldung stammt von heute Morgen:

Slowakei. Der Familienrat der slowakischen Bischofskonferenz fordert das Parlament auf, gegen die Privilegierung der Kotstecherei zu stimmen. Der Rat warnt davor, aus der Homo-Störung eine „dauernde Lebensgemeinschaft mit Rechtsschutz“ zu machen. Die Kotstecherei könne nicht auf eine Ebene mit der Papa-Mama-Baby-Ehe gestellt werden. Die Homo-Unzucht stünde „im völligen Gegensatz zur Heiligkeit der Sexualität von Mann und Frau in der Ehe“. Schon der Heilige Paulus habe Kotstechern den gebührenden Lohn für ihre Verirrung versprochen. Die Stellungnahme erinnert an das antike Rom, das an der eigenen Sittenlosigkeit zugrunde ging.

So oder ähnlich sehen fast alle Berichte auf kreuz.net aus. Menschenrechtskommissionen, die für gleichgeschlechtliche Partnerschaften eintreten, werden schon mal als „Homo-SS“ bezeichnet, den Tod Dirk Bachs (ohnehin schon länger auf dem Kieker der Autoren) vor einigen Wochen feierten sie unter der Überschrift „Jetzt brennt er in der ewigen Homo-Hölle“. Und so geht das weiter und weiter und weiter, man bleibt nicht gerne lange auf kreuz.net.

Die ganze Seite soll gezielte Provokation sein, ist in Wahrheit aber einfach nur dämlich – und schlecht gemacht obendrein. Eine Aneinanderreihung unsachlicher Behauptungen, die Formulierungen grausig, jeder Drittklässler kriegt sprachlich geschliffenere Mein-schönstes-Ferienerlebnis-Aufsätze zu Papier. Warum besuchen die Leute diese Seite überhaupt? Wegen der Beleidigungen, der Angriffe und der Ausfälle vermutlich. Weil sich bei der Lektüre so schön mit dem Kopf schütteln lässt. Primitiv, mehr als nur rechtslastig, es ist eigentlich schier nicht zu glauben, dass (vermutlich doch) erwachsene Menschen tatsächlich in der Lage sind, solche Texte nicht eigentlich zu veröffentlichen, sondern überhaupt nur zu verfassen. Aber selbstverständlich bleiben die Autoren ohnehin anonym, die wissen schon, warum.

Der SPIEGEL schreibt in seiner aktuellen Ausgabe (44/2012), kreuz.net werde schon seit geraumer Zeit vom Verfassungsschutz beobachtet; leider könnten die Hintermänner aber nicht dingfest gemacht werden, weil die Seite auf ausländischen Servern liege. Natürlich. Es ist auch nicht so, dass sich bisher noch niemand gestört hätte an den selbsternannten Sittenwächtern, Anzeigen wegen Verleumdung, Volksverhetzung, Beleidigung, übler Nachrede usw. usf. gab es schon zuhauf, aber man bekam bislang niemanden zu packen. Kreuz.net übrigens reagierte auf den SPIEGEL-Artikel, dreimal darf man raten, mit wüsten Beschimpfungstiraden. Klar, wie auch sonst…?

Wer möchte, kann sich ja mal den Wikipedia-Artikel zum Thema ansehen. Ein Besuch der Seite selbst lohnt, wie gesagt, eher nicht.

P.S.: Übrigens, nach den diffamierenden Berichten zum Tode Dirk Bachs hat der Berliner Bruno-Gmünder-Verlag, der selbst ein Schwulen-Magazin herausgibt, die Aktion „Stoppt kreuz.net“ ins Leben gerufen und tatsächlich eine Belohnung von 15.000 Euro für Informationen über die Hintermänner ausgesetzt. Ob’s hilft, bleibt abzuwarten.

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Nachtrag 03.12.: kreuz.net scheint am Wochenende (zumindest vorerst) vom Netz gegangen zu sein. Warum und ob dauerhaft ist allerdings noch nicht so ganz klar.

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