Stuhlprobe

Na endlich! Keine 24 Stunden ist die Rücktrittsankündigung her und schon wird heiß diskutiert, wer wohl neuer Papst werden könnte*. Meine Lieblingsdisziplin. Dass wir den alten noch bis Monatsende an der Backe haben, völlig egal, über den wird schon berichtet, als hätte er gestern das Zeitliche gesegnet. Weiter geht’s im Takt, wer ist „papabile„, das muss jetzt dringend ausdiskutiert werden. Und so sieht man sie wieder, die vielen lustigen Bilder von vielen lustigen alten Männern in lustigen bunten Kleidern.

Nun ist das mit diesen Vorhersagen bekanntlich ja eher ein Vabanquespiel; ist immer schlecht, sich auf einen bestimmten Kandidaten festzulegen, je mehr, desto größer die Chance, dass der richtige nachher auch wirklich dabei ist. Deshalb bietet SPIEGEL Online 10 mögliche Kandidaten, der österreichische Kurier gleich derer 11.

Jahaa, und was die können, kann ich natürlich schon lange. Ich lehne mich mal gaaanz weit aus dem Fenster und halte diese 117 Kardinäle für papabile:

Santos Abril y Castelló, Geraldo Majella Agnelo, George Alencherry, Angelo Amato, Carlos Amigo Vallejo, Ennio Antonelli, Audrys Juozas Bačkis, Angelo Bagnasco, Philippe Barbarin, Jorge Mario Bergoglio, Giuseppe Bertello, Tarcisio Bertone, Giuseppe Betori, Josip Bozanić, Seán Brady, João Braz de Aviz, Raymond Leo Burke, Carlo Caffarra, Domenico Calcagno, Antonio Cañizares Llovera, Juan Luis Cipriani Thorne, Francesco Coccopalmerio, Thomas Collins, Angelo Comastri, Paul Josef Cordes, José da Cruz Policarpo, Raymundo Damasceno Assis, Godfried Danneels, Julius Riyadi Darmaatmadja, Velasio De Paolis, Daniel DiNardo, Ivan Dias, Timothy Dolan, Dominik Duka, Stanisław Dziwisz, Willem Jacobus Eijk, Francisco Javier Errázuriz Ossa, Péter Erdő, Raffaele Farina, Fernando Filoni, Francis George, Rubén Salazar Gómez, Oswald Gracias, Zenon Grocholewski, James Michael Harvey, John Tong Hon, Cláudio Hummes, Walter Kasper, Kurt Koch, Giovanni Lajolo, Karl Lehmann, William Joseph Levada, Nicolás de Jesús López Rodríguez, Roger Michael Mahony, Lluís Martínez Sistach, Reinhard Marx, Joachim Meisner, Laurent Monsengwo Pasinya, Francesco Monterisi, Manuel Monteiro de Castro, Antonios Naguib, Wilfrid Fox Napier, Attilio Nicora, John Njue, Kazimierz Nycz, Edwin Frederick O’Brien, Keith Michael Patrick O’Brien, Sean Patrick O’Malley, Anthony Olubunmi Okogie, John Onaiyekan, Jaime Ortega, Marc Ouellet, George Pell, Polycarp Pengo, Jean-Baptiste Phạm Minh Mẫn, Mauro Piacenza, Severino Poletto, Vinko Puljić, Béchara Pierre Raï, Albert Malcolm Ranjith, Gianfranco Ravasi, Giovanni Battista Re, Jean-Pierre Ricard, Justin Francis Rigali, Norberto Rivera Carrera, Francisco Robles Ortega, Franc Rodé, Óscar Rodríguez Maradiaga, Paolo Romeo, Antonio María Rouco Varela, Stanisław Ryłko, Juan Sandoval Íñiguez, Leonardo Sandri, Robert Sarah, Paolo Sardi, Théodore-Adrien Sarr, Odilo Pedro Scherer, Christoph Schönborn, Angelo Scola, Crescenzio Sepe, Luis Antonio Tagle, Jean-Louis Tauran, Julio Terrazas Sandoval, Dionigi Tettamanzi, Isaac Cleemis Thottunkal, Telesphore Placidus Toppo, Jean-Claude Turcotte, Peter Turkson, Jorge Liberato Urosa Savino, Agostino Vallini, Antonio Maria Vegliò, Giuseppe Versaldi, André Vingt-Trois, Raúl Eduardo Vela Chiriboga, Rainer Maria Woelki, Donald Wuerl und Gabriel Zubeir Wako.

Okay, ich geb’s zu, ich hab bei der Vorhersage ein bisschen gemogelt. Na, wer hat’s gemerkt? Richtig! Das sind sie alle, alle scheintoten wahlberechtigten Kardinäle auf einen Blick. Ist doch nur fair, finde ich, dann fühlt sich auch keiner auf den Schlips getreten, und prognostisch kann gar nix mehr schiefgehen.

Und auf jeden Fall, so viel steht mal fest, liege ich damit definitiv richtiger als SPIEGEL Online. Die haben nämlich unter ihren zehn Kandidaten mit dem Nigerianer Francis Arinze direkt mal einen auf Platz eins ihrer Liste gesetzt, der mit seinen gemütlichen 80 Lenzen gar nicht am Konklave teilnehmen wird. Darf er in dem Alter nämlich nicht mehr. Das heißt zwar – zugegeben – nicht zwangsläufig, dass er nicht trotzdem Papst werden könnte, denn theoretisch ist jeder männliche Katholik wählbar; praktisch wird der Papst aber schon seit Jahrhunderten nur aus den Reihen der wahlberechtigten Kardinäle bestimmt, Arinzes Wegbleiben dürfte seine Wahlchancen also drastisch schmälern. Obwohl es andererseits mal eine echte Überraschung wäre.**

Ja, und wer’s am Ende wird, wird sich zeigen, wer weiß das schon so genau. Und bekanntermaßen gilt ja: Wer als Papst ins Konklave geht, kommt als Kardinal wieder raus.*** Schaun mer mal, hat ein berühmter deutscher Philosoph mal gesagt.****

Vielleicht wäre es hilfreich, wenn einfach jeder Kardinal zu Konklavebeginn erstmal eine Stuhlprobe abgibt. Also, ein Testsitzen auf dem heiligen Stuhl absolviert, meine ich natürlich. Dann können die anderen einfach mal schauen, wie der Kandidat sich so macht auf dem goldenen Thron. Wirkt er auch schön würdevoll? Kommt er mit den Füßen noch auf den Boden? Bleibt er womöglich zwischen den Armlehnen stecken? Passt die Haarfarbe zum Samtbezug? Und so weiter und so weiter. Da wär‘ doch schon viel mit gewonnen. Mut zur Veränderung kann ich nur sagen!

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Nachtrag, 25.02.: Da waren’s nur noch 116. Seinen sofortigen Rücktritt (und damit verbunden auch die Nicht-Teilnahme am Konklave) gab heute der Schotte Keith Michael Patrick O’Brien bekannt; Vorwürfe „unangemessenen Verhaltens“ dreien Priestern gegenüber stehen im Raum, denen er „nach dem Nachtgebet Avancen gemacht“ haben soll – was auch immer das dann am Ende genau heißen mag…

Währenddessen hat der (scheidende) Papst ebenfalls heute die Regeln fürs Konklave geändert, das nun, sofern von den Kardinälen gewünscht, früher als ursprünglich vorgesehen stattfinden könnte.

Nachtrag, 06.03.: Und noch einer weniger: Julius Riyadi Darmaatmadja, emeritierter Erzbischof von Jakarta und immerhin schon 78, hat seine Teilnahme aus gesundheitlichen Gründen abgesagt. Bleiben noch 115.

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* Also, Papst der römisch-katholischen Kirche, versteht sich. Wie jedes Säugetier, das was auf sich hält, hat auch die Gattung ‚Papst‘ ja durchaus so ihre Unterordnungen.

** Naja, eine kleine zumindest. Eine richtige Überraschung wäre etwa eine protestantische schwarze Chinesin südamerkanischer Abstammung, aber damit dürfte eher nicht zu rechnen sein.

*** Fünf Mark ins Phrasenschwein, ich weiß, ich kann den Spruch selbst nicht mehr hören.

**** Den übrigens auch nicht. *klimper*

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