Glückwunsch, es ist ein Franziskus!

Meinen Glückwunsch, es ist ein Franziskus! Mit -us. Warum die latinisierte Form, ist nicht ganz klar, beim letzten (Johannes) Paul ging’s schließlich auch ohne, aber meinetwegen. Vermutlich ist Franz einfach out, so heißt halt heute keiner mehr.

So, und wen genau haben wir uns da jetzt eingekauft (also, ich mir nicht, aber die Katholiken)? Das bleibt wohl mal noch abzuwarten. Angeblich soll der glückliche(?) Konklave-Sieger Jorge Mario Bergoglio – also eben besagter Franziskus – ja schon beim letzten Konklave ein heißer Favorit gewesen sein. Da ist aber bekanntlich der Herr Ratzinger gewählt worden*. Das empfand damals die Mehrheit der Kommentatoren (von BILD mal abgesehen) erstmal nicht unbedingt als so richtig prickelnd – aber es gibt durchaus Leute, die das für gar nicht mal sooo schlecht hielten. Gerfried Sperl beispielsweise, Kolumnist beim österreichischen „Der Standard“. Der verfasste 2011, noch zu Ratzinger-Zeiten, folgenden Artikel**:

„Ein Diktatoren-Freund als Konkurrent Ratzingers

Papst Benedikt XVI. ist stockkonservativ. Aber es hätte schlimmer kommen können. Laut La Stampa […] erwuchs 2005 dem damals obersten Glaubenshüter der katholischen Kirche ein auch politisch ultrarechter Kardinal aus Argentinien als ernstzunehmender Konkurrent. […]

Vierzig Stimmen hatte nämlich Jorge Mario Bergoglio, heute 75jähriger Erzbischof von Buenos Aires, erreicht. […]

Nachträgtlich betrachtet hat der katholische Teil der Welt damit vielleicht ziemliches Glück gehabt. Der Jesuit Bergoglio unterscheidet sich theologisch kaum von Ratzinger. Politisch jedoch ist er fragwürdig: Er tolerierte die argentinische Militärdiktatur und fand nie auch nur ein Wort der Kritik an der Ermordung tausender Regimegegner. Dass so ein Mann unter den Kardinälen auf 40 Stimmen kam, ist eigentlich ein Alarmzeichen. 115 Kardinäle waren damals wahlberechtigt – 40 keine klaren Verteidiger der Menschenrechte.“

Joa, das Szenario wäre dann jetzt wohl nachgeholt. Obwohl ich dem Herrn Franzikus trotz allem natürlich auch erstmal eine (neue) Chance zugestehen will. Er wirkte ja im ersten Moment ganz schnuckelig, ein richtiger „Papa“ halt.

Pressetechnisch so richtig schnell waren übrigens die Wikipedianer diesmal***. Da darf ja nun prinzipiell so ziemlich jeder mitschreiben, tatsächlich dürfen Artikel mit aktuellem Bezug in aller Regel (zumindest vorübergehend) aber nur von registrierten Nutzern bearbeitet werden, um Klamauk zu verhindern. Da ist so ein Konklave natürlich nicht ganz so geschickt, weil man ja nun nie so genau weiß, wer denn da jetzt gleich als neuer Papst auf den Balkon treten wird und man schlecht alle Artikel, in denen der Papst möglicherweise vorkommen könnte, sperren kann. Entsprechend sah der Eintrag Bergoglios dann auch erstmal so aus:

Unbenannt4

Immerhin, in diesem Screehshot von 20.18 Uhr schon unter neuem Namen, da hatte er sich noch nicht mal gezeigt (das nämlich geschah erst vier Minuten später – und die ersten Artikeländerungen sind nur wenige Sekunden nach Verkündung seines Namens verzeichnet, aber das nur nebenbei).

Und vor lauter Begeisterung über die Papstwahl (die in den ersten Wochen immer spürbar ist, sich aber Gott sei Dank irgendwann wieder legt) gelten zuallererst die Superlativen, die ihn schon jetzt auszeichnen, all die ersten Male (*hüstel*), Dinge, die es so noch nie gegeben hat: erster Jesuit auf dem Papstthron; erster Lateinamerikaner; erster Papst, der die Armen liebt; erster neuzeitlicher Papst mit lebendem Vorgänger.

A propos, was auch immer er zukünftig anstellen mag, das Spannendste dürfte das für kommenden Samstag geplante Treffen mit seinem Vorgänger* werden. Ein (freundschaftliches) Treffen zweier (römisch-katholischer) Päpste, so viel steht mal fest, hat es wirklich noch nicht gegeben!

__________

* Der „Wir sind Papst“-Ratzinger, wir erinnern uns, der jetzt als „emeritierter Papst“ seine letzten Tage (oder Monate oder Jahre, das wird sich ‚rausstellen) zurückgezogen von der Weltöffentlichkeit verbringt.

** Online verfügbar, und zwar hier (zuletzt abgerufen am 18.03.2013).

*** ‚Pressetechnisch‘ vor allem deshalb, weil die versammelte Presse die Wikipedia inzwischen nutzt, als gäb’s kein Morgen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s